Man muss das Unmögliche versuchen,
um das Mögliche zu erreichen.
Hermann Hesse
 

Projekt Kirchturm und Glocken


Gruhnoer Kirchturm Ursprünglich befanden sich im Turm der Gruhnoer Kirche drei Glocken aus der Gießerei Collier/ Berlin, welche im Jahre 1890 angebracht worden sind. Bereits 1917 mußten zwei der Glocken für Kriegszwecke abgeliefert und eingeschmolzen werden. Als Ersatz ließ die Gemeinde im Jahre 1923 eine Stahlglocke gießen. Da damals die Inflation in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht hatte, konnte die Glocke nicht mehr mit Geld bezahlt werden, sondern es wurde in Naturalien gezahlt. In zeitgenössischen Aufzeichnungen ist zu lesen: "Im Monat Okt 1923 ließ sich die Gemeinde Gruhno vom Stahlwerk Lauchhammer in Torgau für die im Kriege abgelieferten Glocken eine neue A-Stahlglocke im Werte von 80 Ztr. Roggen anfertigen, welche am 11. Nov. feierlich eingeweiht wurde."

Glocken in Gruhno
Fast neunzig Jahre später erhielt die Gemeinde die Hiobsbotschaft, daß die große Stahlglocke (Foto links im Hintergrund) an vielen Stellen verrostet, teilweise sogar löchrig war und daß auch die Aufhängung dringend erneuert werden mußte. Da die Glocke beim Schwingen abstürzen konnte, durfte sie fortan nicht mehr geläutet werden. Zudem befand sich die Kirche in einem sanierungsbedürftigen Zustand, vor allem der Dachstuhl und der Kirchturm wiesen starke Schäden auf.

Schon im Oktober 2010 hatte sich darum der Förderverein Gruhno e.V. gegründet, für welchen, gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat, die Sanierung und der Erhalt der Kirche das wichtigste Anliegen darstellt. Da die Originaldokumente der Firma Collier für die drei früheren Glocken noch vorhanden waren, entstand die Idee, das Geläut wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. So fand am 07. und 08. September 2013 in Gruhno ein Dorffest mit einem ganz besonderen Höhepunkt statt, denn es wurde direkt im Ort die erste neue Kirchenglocke gegossen.

Grube mit Glockenform
Bei herrlichem Wetter begannen Glockengießer der Benediktinerabtei Maria Laach am Samstagnachmittag mit den Vorbereitungen, wobei die einzelnen Arbeitsschritte von Bruder Michael Reuter erläutert wurden und von interessierten Zuschauern beobachtet werden konnten.

Glockenguss 2013 in Gruhno



Pünktlich um 21.00 Uhr erfolgte dann der Schauguß, für welchen in den vorangegangenen Stunden 200 kg Glockenbronze, aus 78 % Kupfer- und 22 % Zinnanteil, auf 1180 Grad erhitzt worden waren. Innerhalb weniger Minuten schöpften die Glockengießer das flüssige Metall mit Kellen in die Form.


Festgottesdienst in Gruhno 2013

In der vollbesetzten Gruhnoer Kirche fand dann am Sonntagmorgen der vom Generalsuperintendent, Herrn Martin Herche, gehaltene Festgottesdienst statt.

Erster Glockenanschlag nach geglücktem Guss Anschließend verfolgten alle mit großer Spannung wie die Glocke, welche einen Durchmesser von 64 cm und ein Gewicht von 120 kg hat, gehoben wurde. Nicht jeder Glockenguß gelingt und so war es für viele bewegend, als Mantel und Kern von der Glocke entfernt und diese erstmalig von Eckhard Heinrich, dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, angeschlagen wurde. Nach dem Verklingen des klaren, lang anhaltenden Tones setzte freudiger Beifall ein.

Glockenguß in Maria Laach
Noch am Sonntag ging die Glocke, eine Taufglocke mit der Aufschrift "Ströme lebendigen Wassers", auf die Reise nach Maria Laach, wo alle Nacharbeiten erfolgten. Dort wurde am 06. Dezember 2013 die zweite Gruhnoer Glocke gegossen. Auch dieser Guß gelang, es ist eine Gebetsglocke mit der Aufschrift "Ehre sei Gott in der Höhe“. Der Durchmesser beträgt 84 cm und das Gewicht 300 kg.


Einrüstung der Kirche 2018

Mit einer Vielzahl von Unterstützern – sowohl durch Bereitstellung öffentlicher Mittel als auch privater Spenden und sonstiger Hilfe – konnte schließlich im Mai 2018 mit den Sanierungsarbeiten an der Gruhnoer Kirche begonnen werden.

alte heruntergenommene Glocken



Am 14. August 2018 wurden, im Beisein des Gemeindepfarrers Manfred Grosser, des Bürgermeisters Daniel Mende und des RBB, die Stahlglocke und die alte Collier-Glocke heruntergenommen.



Glocken beim Einbau Am 01. März 2019 konnte Letztere zusammen mit den beiden neuen Glocken wieder im Glockenstuhl angebracht werden.

Anbringen des neuen Turmknopfes Im Zuge der Arbeiten am Turm konnte auch die Bekrönung erneuert werden, was ebenfalls dringend erforderlich war.

Am Pfingstsonntag 2019 fand die Glockenweihe statt. Bei schönstem Wetter hatten sich viele Gruhnoer und Gäste zu einem Gottesdienst – musikalisch begleitet vom Posaunenchor Finsterwalde, dem Friedersdorfer Kirchenchor sowie dem Spielmannszug Schönborn – an der Gruhnoer Kirche versammelt.
Glockenweihe Den Gottesdienst hielt Pfarrer Manfred Grosser und Generalsuperintendentin Theresa Rinecker nahm die Glockenweihe vor. Der feierliche Klang der Glocken erscholl erst einzeln, dann zusammen und war für die Anwesenden ein ergreifender Moment.
Die Erneuerung des Kirchturms, incl. des Turmknopfes, sowie das Anbringen und die Weihe der Glocken stellen einen wesentlicher Abschnitt für die Sanierung der Kirche dar. Doch es braucht noch etwas Zeit und Unterstützung, bis weitere erforderliche Arbeiten durchgeführt sind.

Der Gemeindekirchenrat und der Förderverein Gruhno bedanken sich ganz herzlich bei allen, die bisher durch Spenden, finanzielle Förderungen oder persönliches Engagement zur Realisierung des Projekts beigetragen haben.

Weitere Fotos finden Sie auf gruhno-ee.de.